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Funkloch-Zickzack: Erst Vodafone, dann Telekom, dann wieder anders
Beim Ausbau von Funklöchern geht es oft nicht vorwärts, wenn die Bundesnetzagentur sich nicht traut, durchzugreifen und Einigungsprozesse kompliziert verlaufen.Beim Netzausbau in Deutschland passieren Dinge, die selbst erfahrene Beobachter sprachlos machen können. Es geht konkret um den Ortsteil Langhecke der Stadt Villmar, die im Landkreis Limburg-Weilburg im Bundesland Hessen liegt. Dort gibt es ein großes Funkloch, das die etwa 200 Einwohner mit "Shared WLAN" (jeder kennt mindestens ein WLAN-Passwort von Freunden und Nachbarn) überbrücken müssen.
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Langhecke ist übrigens bundesweit bekannt durch die jährliche Oldtimer und Motorsport-Ausstellung des MSC-Langhecke. Als sich die Telekom mit ihrer Aktion "Wir jagen Funklöcher" im Jahre 2019 (!) meldete, schickte Langhecke ein schickes Video und gewann einen Sendemasten, doch auf einmal wurde es kompliziert. Das Funkloch besteht auch sechs Jahre später noch.
Telekom wollte bauen, dann kam alles anders
Kein Netzempfang in Villmar-Langhecke und das seit über 6 Jahren.Screenshot: teltarif.de, Quelle: Bericht des HR am 20.11.2025 "Ja", so die offizielle Auskunft der Telekom auf Anfrage von teltarif.de, "Villmar war ursprünglich einer der Gewinner der Telekom-Aktion 'Wir jagen Funklöcher' und wir hatten dort geplant, einen neuen Funkmast zu errichten. Im selben Jahr trat jedoch die Versorgungsauflage der Bundesnetzagentur in Kraft, die eine Mobilfunkversorgung entlang von Verkehrswegen (Straßen, Schienen, Wasserwegen) vorsah. Diese Regelung verpflichtete alle Netzbetreiber (zum damaligen Zeitpunkt Telekom, Vodafone und Telefónica) sich darüber zu verständigen, welcher Betreiber welches Gebiet erschließt, um die Auflage gemeinschaftlich zu erfüllen."
Wer hat an Vodafone "übertragen"?
Und nun wird es mysteriös: "Das Gebiet Villmar wurde dabei an Vodafone übertragen, die den Mast nach Fertigstellung auch allen anderen Netzbetreibern zur Verfügung stellen müssen", so die Auskunft der Telekom.
Da der von Vodafone geplante Standort sowohl die im Gebiet verlaufende Bundesstraße als auch den Ort Villmar selbst abdecken sollte, hatte die Telekom seinerzeit "im Sinne der BNetzA-Vereinbarung" ihre eigenen Planungen einstellen müssen. Hintergrund: Die Verordnung der BNetzA sah vor, dass alle Projekte, die sich noch nicht im Bau befinden, sondern lediglich in der Planung, nicht fortgeführt werden sollten, wenn die Versorgung des Gebiets einem anderen Anbieter zugesprochen wurde).
Bundesnetzagentur: Wir waren es nicht
Die von uns dazu befragte Bundesnetzagentur weist jede Schuld von sich: "Die Bundesnetzagentur legt im Rahmen der Frequenzzuteilung Auflagen für die Betreiber fest. Diese haben zum Ziel, die Flächenversorgung mit mobilem Breitband zu verbessern. Allerdings obliegt die Netzplanung grundsätzlich den Mobilfunknetzbetreibern. Die Bundesnetzagentur macht keine Vorgaben zum Ausbau an einem konkreten Standort."
Und ganz konkret: "Im vorliegenden Fall wurden auch keine Vorgaben von der Bundesnetzagentur gemacht, wer diesen Standort errichten soll. Grundsätzlich ist es möglich, dass die Mobilfunknetzbetreiber im Wege von Kooperationen neue Standorte gemeinsam errichten. Hierbei handelt es sich hierbei um unternehmerische Entscheidungen der Mobilfunknetzbetreiber."
Schließlich könne die Bundesnetzagentur die Mobilfunknetzbetreiber (Telekom Deutschland GmbH, Vodafone GmbH, Telefónica Germany GmbH & Co. OHG und 1&1 Mobilfunk GmbH) nicht zum Aufbau eines konkreten Mobilfunkstandorts verpflichten.
Der Ball liegt bei Vodafone
Bei der Telekom liegt der Ball im Falle Langhecke nun bei Vodafone: "Derzeit warten wir auf die Fertigstellung des Standorts seitens Vodafone. Sobald der Mast fertig wird, planen wir, ihn mitzunutzen, sodass die Bevölkerung von Villmar auch vom Netz der Telekom profitieren kann."
Vodafone: Ausführliche Planung braucht Zeit
Das von uns ebenfalls befragte Unternehmen Vodafone nahm ausführlich Stellung: "Für Villmar-Langhecke geht es darum, ein Funkloch zu schließen - möglichst durch den Bau eines Mobilfunkmastes, der von allen Netzbetreibern genutzt werden kann. Vodafone hatte ursprünglich vor vier Jahren die Planungen für ein entsprechendes Neubau-Projekt für Villmar-Langhecke gestartet."
"Während sich unser Funkturm-Dienstleister Vantage Towers auf der Suche nach einem geeigneten Grundstück befand, erhielten wir jedoch die Nachricht, dass nunmehr die Deutsche Telekom im Rahmen ihrer Werbekampagne 'Wir stopfen Funklöcher' für Villmar-Langhecke einen Neubau plante. Wir legten deshalb unser eigenes Projekt zunächst auf Eis. Letzten Endes stellte sich aber überraschend heraus: Die Planungen der Telekom sahen nur einen sehr kleinen Mast vor, an dem leider keine Mitnutzung durch andere Netzbetreiber möglich war."
Geplanter Telekom-Mast "zu klein" - Neuplanung notwendig
Aufgrund dieser schlechten Nachricht aus dem Hause Telekom habe Vodafone Mitte 2023 die Planungen für einen eigenen Mastneubau neu gestartet. Ein geeigneter Standort auf einem kommunalen Grundstück - außerhalb der bebauten Ortslage - sei nach intensiver Suche bereits gefunden worden.
"Wir befinden uns jetzt in der Realisierungsphase für diesen Neubau. Den Zeitpunkt für den Bau durch Vantage Towers und die Inbetriebnahme der neuen Station durch Vodafone (und andere Netzbetreiber) kann ich aber beim besten Willen noch nicht abschätzen", so die Stellungnahme eines Vodafone-Sprechers.
Schließlich sei dabei zu berücksichtigen, so Vodafone, dass überall in Deutschland zwischen ersten Planungen einer neuen Mobilfunkstation und deren Inbetriebnahme oftmals mehrere Jahre vergehen, da viele Schritte gegangen werden müssen - und führt eine schier unendliche Liste auf:
Bedarfsanalyse Finanzierung Auftrag an den Funkturm-Dienstleister für den Neubau Suche nach dem geeigneten Grundstück Vertrag für das Grundstück Aufwändiges Genehmigungsverfahren mit verschiedenen Behörden Bau des Funkturms durch den Dienstleister Anbindung der neuen Mobilfunkstation an das Stromnetz Übergabe des Funkturms an den künftigen Netzbetreiber Anbindung der Station an das weltweite Telekommunikationsnetz. Das geschieht via Richtfunk oder Glasfaser, wobei in Sachen Richtfunk meist noch Arbeiten an der Richtfunk-Gegenstelle notwendig sind und bei Glasfaser oft noch unterirdische Zufuhrstrecken gebaut werden müssen. Aufbau der Antennentechnik Aufbau der Betriebsstelle für die Systemtechnik Frequenztechnische Integration der neuen Station in die bestehenden Mobilfunknetze des jeweiligen Landkreises Durchführung des Probebetriebs und Optimierungsmaßnahmen InbetriebnahmeDer Hessische Rundfunk (HR) hat am 20.11.2025 in seinem Fernsehprogramm über den Fall berichtet:
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Die Idee, dass ganz Deutschland im Wettbewerb ausgebaut wird, damit Netzbetreiber A oder C keine Kunden verliert, weil dort nur Netzbetreiber B versorgt, mag in dicht besiedelten Ballungsräumen funktionieren, aber auf dem Land oder in topographisch ungünstigen Regionen funktioniert das seit Jahren nicht.
Quelle des vollständigen Artikels:

