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Italien: Fastweb/Vodafone und TIM vereinbaren Zusammenarbeit
Nicht nur in Deutschland, auch in Italien sind die Mobilfunknetze noch "ausbaufähig". Für Italien hatte Swisscom eine kreative Idee.Für viele überraschend hatte die Schweizer Swisscom dem Vodafone-Konzern seine italienische Tochter Vodafone Italia abgekauft und mit der italienischen Swisscom-Tochter Fastweb zusammengelegt.
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Nicht nur in Deutschland, auch in Italien sind die Mobilfunknetze noch "ausbaufähig", und wer die Qualität der Schweizer Netze kennt, wird sich in Italien die Augen reiben. Neben Fastweb/Vodafone senden in Italien noch die ehemals staatliche TIM (Telecom Italia Mobile) und der private Anbieter Wind/Tre.
Alle Netze haben deutliche Defizite, wie Einheimische und Touristen regelmäßig berichten.
Swisscom & TIM : Gemeinsame Vereinbarung
Das Hauptquartier der Swisscom in Worblaufen bei Bern.Foto: Swisscom TIM und Fastweb + Vodafone haben nun eine vorläufige Vereinbarung zur "gemeinsamen Nutzung von Mobilfunk-Zugangsnetzen (RAN) getroffen". Damit sollen rund 60 Prozent der Bevölkerung abgedeckt und der Ausbau von 5G in Italien beschleunigt werden. Das hat Swisscom nun "ad hoc" mitgeteilt.
Diese Vereinbarung gelte "vorbehaltlich eines endgültigen Vertrags", der für bis Mitte 2026 unterschriftsreif sein soll.
Besser Nutzung der Infrastruktur
Das Projekt, so betont es Swisscom, sei ein wichtiger Schritt zur besseren Nutzung der bestehenden Infrastruktur in Italien und einer schnelleren, effizienteren und nachhaltigeren 5G-Abdeckung im ganzen Land. Die beiden Unternehmen planen den Ausbau der 5G-Abdeckung für Gemeinden mit weniger als 35.000 Einwohnern in Angriff zu nehmen.
Dabei wird jeder Betreiber für den Netzausbau in 10 Regionen verantwortlich sein, so dass bis Ende 2028 ein Netz mit etwa 15.500 Standorten pro Betreiber entstehen wird.
Vermeidung von Doppelausbau
Der Clou ist nun, dass im Rahmen dieser vorläufigen Vereinbarung jeder Betreiber in den entsprechenden Gebieten das Funkzugangsnetz (RAN) des jeweils anderen nutzen kann, um "Doppelspurigkeiten" (= Doppelausbau) zu vermeiden und rasch eine bessere Abdeckung zu erzielen.
Das lohnt sich für beide Seiten: Die Effizienzgewinne erlaubten es, die 5G-Abdeckung auf weniger dicht besiedelte und unterversorgte Gebiete auszuweiten und so die Netz- und Servicequalität für Haushalte und Unternehmen zu verbessern.
Unternehmen bleiben unabhängig
Bei diesem Kooperationsmodell, das in anderen EU-Ländern weit verbreitet sei, können beide Unternehmen ihre volle "kommerzielle und technologische Unabhängigkeit" wahren. Die Kooperation reduziert zudem die Umweltbelastung und setzt durch die Kostensenkung Mittel frei für neue Investitionen in die Mobilfunktechnologie der nächsten Generation - eine "win-win"-Situation.
Noch steht die Vereinbarung unter dem Vorbehalt der Genehmigung durch das Ministerium für Unternehmen und Made in Italy (MIMIT), die Wettbewerbsbehörde (AGCM) und die Kommunikationsbehörde (AGCom).
Eine Einschätzung (von Henning Gajek)
Die Swisscom schreibt: "ein in der EU übliches Modell". Das klingt leider positiver als es ist. In Deutschland gibt es halbherziges MOCN, d.h. ein Sender von Netz A strahlt auch die Kennung von Netz B aus, weswegen Kunden von Netz B dann sich dort einbuchen können.
Das Italienisch-Schweizer Modell geht meines Erachtens deutlich weiter. Die Swisscom baut Orte einer Region A selbst aus und lässt TIM dort roamen. Umgekehrt baut TIM Ort in Region B aus, wo Swisscom nichts hat und darf dafür bei TIM roamen. Auf Deutschland übersetzt, hieße das, das bereits existierende MOCN-Modell viel weiter und stärker als bisher auszubauen und damit bislang nicht erschlossene Gebiete zu erreichen. Bislang wird MOCN in Deutschland nur auf 800 MHz und nur im strikter Gegenseitigkeit ("Wie Du mir, so ich Dir") angewendet.
Klar, den Marketingstrategen des zuerst vor Ort ausbauenden Unternehmens gefällt das nur bedingt, weil sie sich natürlich sehnsüchtig wünschen, alle Kunden zu sich holen zu können. Soll doch die Konkurrenz sehen, wo sie bleibt. Dabei ist längst klar, dass ein flächendeckender Vollausbau durch vier voneinander unabhängige Netze völlig unrealistisch ist.
Die Hoffnung auf eine flächendeckende Satellitenversorgung wird sich im in 27 Einzelstaaten zersplitterten EU-Europa mit lokalen Gesetzen und Behörden sich so schnell umsetzen lassen.
Mehr dazu: Regelmäßig berichten wir über den Netzausbau in Deutschland, Europa und der Welt.
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https://www.teltarif.de/nr0/netzausbau-kooperation-italien-tim-swisscom/news/101371.html

