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Schrecken mit Ende: Deutsche Glasfaser im Kreis Bad Dürkheim
Vor sechs Jahren war die Welt in Freinsheim noch in Ordnung. Mit Millionen Euro an Fördergeldern vergab der Landkreis Bad Dürkheim den Glasfaserausbau an Inexio. Dann begann das Chaos, an dem auch die Deutsche Glasfaser bis zu ihrer Aufgabe nichts ändern konnte.Im Landkreis Bad Dürkheim nimmt man den Namen der Deutschen Glasfaser und deren Tochter Inexio besser nicht in den Mund. Der Glasfaserausbau verlief bislang enttäuschend. Immer noch warten viele Haushalte auf ihren Anschluss. Jahrelang geschah erst kaum etwas, dann zogen sich Inexio und Deutsche Glasfaser aus Ausbauprojekten zurück. Doch darüber sind die Bürgermeister noch nicht einmal besonders verärgert. Vielmehr macht sich Erleichterung breit. Wie zum Beispiel in der Verbandsgemeinde Freinsheim.
Der Landkreis Bad Dürkheim vergab den geförderten Ausbau an Inexio. Im Jahr 2020 erfolgten die ersten Spatenstiche. Kurz darauf übernahm die Deutsche Glasfaser den saarländischen Netzbetreiber. Im gesamten Landkreis sollten 9000 unterversorgte Adressen mit Glasfaser versorgt werden. Dafür stellen der Bund und das Land Rheinland-Pfalz 45 Millionen Euro zur Verfügung. Zusätzliche 5 Millionen Euro kommen von den Kommunen. Weitere 7000 Adressen, die entlang der subventionierten Glasfasertrasse liegen, wollten Deutsche Glasfaser und Inexio eigenwirtschaftlich erschließen.
Da war die Welt noch in Ordnung: Ulrich Nitschke (Deutsche Glasfaser, sitzend links), Landrat Hans-Ulrich Ihlenfeld (sitzend Mitte) und Jürgen Oberholz (Bürgermeister VG Freinsheim, stehend rechts) unterzeichnen den Vertrag für den Glasfaserausbau im Kreis Bad Dürkheim.Foto: Kreisverwaltung Bad Dürkheim Die Verbandsgemeinde Freinsheim besteht aus acht Gemeinden, in denen etwa jede vierte Adresse mit weniger als 30 MBit/s versorgt und somit förderfähig ist. Diese rund 1500 Adressen sollte Inexio mit FTTB-Anschlüssen versorgen. Für die weitere Verkabelung in den Gebäuden sind deren Eigentümer zuständig. Für dieses Förderprojekt standen Inexio Mittel in Höhe von 8,6 Millionen Euro zur Verfügung. Zusätzliche wollte der saarländische Netzbetreiber 450 Adressen entlang der geförderten Glasfasertrasse auf eigene Rechnung erschließen.
Das Drama nimmt seinen Lauf: Verlängerung des Projektzeitraums
Zwei Jahre später waren erst 60 Prozent der im gesamten Landkreis zu bauenden Trasse verlegt. Der Förderzeitraum lief aus, der Frust im Landkreis stieg an. Ende März 2022 kündigte die Deutsche Glasfaser einen Neustart des geförderten Ausbauprojekts an. Sie wollte mehr Personal einsetzen und die Baukapazitäten erhöhen. Der Landkreis beantragte beim Bund die Verlängerung des Projektzeitraumes bis zum 31. Dezember 2023.
Die Deutsche Glasfaser und Inexio ziehen sich aus dem Glasfaserausbau in der Verbandsgemeinde Freinsheim zurück. Im gesamten Landkreis Bad Dürkheim haben die Unternehmen für Ärger gesorgt.Foto: Deutsche Glasfaser Besonders zuversichtlich klangen Deutsche Glasfaser und Inexio allerdings nicht. „Schaffen wir den 31. Dezember 2023? Ich weiß es nicht“, sagte Ulrich Nitschke, Bereichsleiter Förderung bei der Deutschen Glasfaser/Inexio. „Ich sage aber deutlich: Wir werden das Projekt finalisieren.“ Was bis Ende 2023 nicht fertiggestellt sei, wolle man auf eigene Kosten realisieren. Die Sorgen des Landkreises zur Finanzierung und Kostensteigerung seien unbegründet.
Erstes Krisengespräch 2023, doch der Ärger blieb
Damals war Landrat Hans-Ulrich Ihlenfeld noch zuversichtlich, den geförderten Glasfaserausbau zu einem guten Ende zu bringen. „Die Zielsetzung von Deutsche Glasfaser, einen qualitativ besseren Ausbau vorzunehmen und zunächst die Mängel auf den bestehenden Baustellen insbesondere im Norden des Landkreises zu beseitigen ist richtig“, sagte der Landrat im Juni 2022. Da warteten viele Bürger bereits seit zwei Jahre auf ihren Glasfaseranschluss.
Doch es wurde nicht besser. Rund ein Jahr später erneuerten die Bürgermeister und Landrat Ihlenfeld ihre Kritik an Inexio und Deutsche Glasfaser. Laut Landkreisamt Bad Dürkheim ging es um „unzureichend abgesicherte, verlassene Baustellen, schlechte Kommunikation mit dem Projektleiter vor Ort, Unternehmen in den Gemeinden, die auf die seit Jahren in Aussicht gestellte Internetverbindung angewiesen wären, die Belastung der Verwaltungen, weil Bürger informiert werden wollen und zugleich beim Telekommunikationsunternehmen kaum jemanden erreichen“. Es gab ein Krisengespräch, dass den Ärger der Bürgermeister und des Landrats aber auch nicht ausräumen konnte.
Bauunternehmen legen die Arbeit nieder
Das Problem schien die Zusammenarbeit mit den Bauunternehmen zu sein. Bereits 2022 widersprach Nitschke den Behauptungen, der Generalunternehmer Con-E habe die Arbeit eingestellt, weil die Deutsche Glasfaser ihn nicht bezahlt habe. Con-E soll eine schlampige Dokumentation vorgelegt haben. „Und wir warten weiter auf einen Bauzeitenplan, auf verlässliche und belastbare Angaben“, machte Landrat Ihlenfeld im Krisengespräch 2023 seinem Ärger Luft. „So geht es nicht weiter“.
Im Landkreis Bad Dürkheim haben Unstimmigkeiten mit den Bauunternehmen zu Verzögerungen beim Glasfaserausbau und Ärger bei den Bürgern geführt.Foto: Franz Bachinger auf Pixabay Darüber hinaus legte im gleichen auch AK Solution, ein Subunternehmen des zweiten Generalunternehmers Fiberworx, die Arbeit nieder, nachdem das Unternehmen nach Angaben des Landkreises eigene Fehler begangen habe und die dadurch entstandenen Kosten nicht von Fiberworx ersetzt bekommen hatte. „Die Gretchenfrage ist weiter unbeantwortet, bis wann der Breitbandausbau im Landkreis endlich abgeschlossen sein wird“, sagte Landrat Ihlenfeld damals.
Deutsche Glasfaser und Inexio geben auf
Zwischenzeitlich veröffentlichte das Landratsamt Termine zur Fertigstellung zwischen Mai und Juli 2025. Aber der Webseite des Amts kann man entnehmen, das Inexio im Februar 2026 immer noch mit der Beseitigung von Baumängeln beschäftigt war. So warten etwa die Bürger in Weisenheim am Sand in der Verbandsgemeinde Freinsheim vergeblich auf die Deutsche Glasfaser bzw. Inexio. Bis Anfang 2025 waren lediglich zwei Technikstandorte eingerichtet worden.
Im Februar 2026 zog die Deutsche Glasfaser dann den Stecker für die Verbandsgemeinde und zog sich aus dem eigenwirtschaftlichen Ausbauprojekt zurück. Die Begründung: Über die Jahre haben sich die Baukosten dermaßen erhöht, dass der Ausbau unter der einstigen Kalkulation nicht mehr durchführbar ist.
Millionen Euro für den Glasfaserausbau: Landrat Hans-Ulrich Ihlenfeld (r.) nimmt 2022 den Förderbescheid vom damaligen Digitalminister und heutigem Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz, Alexander Schweitzer entgegen. Bis heute ist das Projekt nicht beendet.Foto: Kreisverwaltung Bad Dürkheim Der Gemeinderat in Weisenheim am Sand hatte bereits im vergangenen Jahr die Nase voll. Er kündigte der Deutschen Glasfaser und vergab den Ausbau an GlasfaserPlus, dem Joint Venture zwischen Deutscher Telekom und dem Investor IFM. Wie sich nun zeigt, war das der richtige Schritt. Der Ausbau ist nahezu abgeschlossen. Dagegen müssen sich Kallstadt, Bobenheim am Berg und Erpolzheim nun nach einem anderen Unternehmen umschauen, das Glasfaser verlegt.
GlasfaserPlus übernimmt in Freinsheim
Für die Gemeinden ist es jedoch ein Schrecken mit Ende. Gegenüber der Lokalzeitung "Rheinpfalz" geben sich die Bürgermeister sogar erleichtert über den Rückzug der Deutschen Glasfaser. Sie hätten eigentlich nichts anderes erwartet. Schließlich wollten sie bereits im Herbst 2025 von der Deutschen Glasfaser wissen, wie es weitergehe. Ein Gespräch kam jedoch nicht zustande. Stattdessen flatterte die Information über den Rückzug des Netzbetreibers im Februar auf die Tische der Bürgermeister.
Quelle des vollständigen Artikels:
https://www.teltarif.de/nr0/aerger-deutsche-glasfaser-inexio/news/102233.html

